Streicherfahrt 2025

Die Fahrt der Streicher in diesem Sommer führte uns von Interlaken durch die schweizerischen Alpen bis zum internationalen Pfadfinderzentrum in Kandersteg (KISC). Insgesamt waren wir zu fünft- drei Streicher und zwei Leiterinnen.

Am 9. Juni, dem ersten Tag, lief nach der Ankunft mittags mit dem Zug in Interlaken zunächst alles perfekt: Wir verließen die Stadt, kamen schnell in die Natur und wanderten so gut wie den ganzen Tag mit kleineren Pausen durch, vorbei an Campingplätzen und diversen Kuhweiden. So ging es weiter, bis wir abends in einem schönen Tal unser Lager für die Nacht aufschlagen wollten. Wir fragten einen Bauern nach einem Platz zum Zelten, der uns netterweise seine Wiese zur Verfügung stellte. Nachdem wir seiner etwas kryptischen Wegbeschreibung gefolgt waren, ließen wir uns auf einer Wiese am anderen Ende des kleinen Orts nieder. Wir hatten gerade unsere Zelte aufgebaut, da kamen zwei Einheimische und erklärten uns, dass sie den Bauern, dem das Feld gehörte, angerufen hätten und er sehr wütend wäre. Wir sollten besser so schnell wie möglich verschwinden, er wäre jeden Moment da. Wir waren sehr verwirrt, da wir uns eigentlich sicher waren, dass wir die richtige Wiese erwischt hätten. Wir packten aber trotzdem hastig unsere Zelte wieder ein und wollten gerade verschwinden, als dieselben Leute schon wieder erschienen und uns einen Campingplatz in der Nähe empfohlen, wobei sie etwas verständnisvoller wirkten. Wir verließen schließlich die Wiese und entschieden uns, etwas weiter am Rand eines Weges in einem kleinen Wald mit unseren Isomatten zu übernachten. Bis heute wissen wir nicht, ob wir auf der richtigen Wiese waren oder tatsächlich zu Recht verjagt wurden. Nach den Regeln für Wildcamping in der Schweiz darf man aber nur über der Baumgrenze oder über 2000 Höhenmetern biwakieren, ausgenommen Notlager.  Da wir uns nicht sicher waren, ob uns unsere Situation für ein Notlager qualifiziert, standen wir am nächsten Morgen schon um 5:30 Uhr auf, um neugierigen Blicken zu entkommen. Trotz dieser schlechten Erfahrung wanderten wir gut gelaunt, bis wir uns zum Frühstück Kartoffelbrei mit Würstchen an einer Feuerstelle gönnten. Wir machten danach auch kurz an einer Gondelstation Halt, wo wir ein Foto mit einem Herz aus Blumen machten und ein poetisches Meisterwerk verfassten:

Danach ging es weiter nach Mürren auf 1670 Höhenmetern, wo wir uns neue Vorräte holten und einen Mittagsschlaf einlegten. Diesen Abend hatten wir viel mehr Glück mit unserem Schlafplatz, als wir eine einigermaßen flache Wiese über der Baumgrenze mit wunderschöner Aussicht und mitten in den Bergen fanden. Dort hatten wir auch Gelegenheit dazu, verschiedene passende Lieder wie “Leise weht der Wind” zu singen. Außerdem hatte Julia verschiedene Legenden und Schauergeschichten für die Region parat, wie “die Entstehung der Jungfrauenberge”, und Niklas hatte Zuhause vorbereites Pesto für unser Abendessen, Nudeln mit Pesto, dabei. So konnten wir diese Nacht in Frieden ausschlafen.

Die nächste Herausforderung erwartete uns schließlich am dritten Tag: Nach einem ausgiebigen Frühstück legten wir nach kurzer Wanderung eine Pause an einer Hütte ein, weil Julia der Kartoffelbrei vom letzten Tag nicht gut bekommen war. Dort sprachen wir mit der Wirtin über unsere geplante Wanderroute über die Sefinenfurgge auf 2611 Metern, wovon sie uns wegen viel Schnee abriet. Wir mussten aber den Pass überqueren, um nach Kandersteg zu kommen, und so machten wir uns trotzdem auf den Weg, sobald es Julia besser ging. Bis zum Gipfel ging es zuerst durch unebenes Gelände voller kleiner Schmelzwasserbäche, bis wir schließlich kurz vor dem Gipfel ein großes, steiles Schneefeld sahen. Es gab zwar einige andere Leute, die emporkletterten, aber sie hatten im Gegensatz zu uns allesamt Stöcke und kaum Gepäck. Wir hielten kurz für eine stärkende Mittagspause an und unterhielten uns mit einem allein reisenden Mann, der schon elf Tage durch diese Gegend wanderte. Er fand die Kletteraktion ohne Stöcke zwar etwas gewagt, aber ermutigte uns trotzdem, dass es durchaus machbar wäre. Und so stapften wir nach etwas Zögern nacheinander langsam durch das Schneefeld auf den Gipfel.  Nach einer Verschnaufpause begannen wir teils laufend, teils rutschend den Abstieg durch weitere Geröll- und Schneefelder. Dabei trafen wir einen netten Mann, der uns bis zum Abend begleitete, wo wir an einem versteckten Ort in einem Wald weit unter der Baumgrenze unsere Zelte aufbauten. Der gelungene Auf- und Abstieg wurde natürlich gebührend mit einem Festessen aus Couscous, Oliven, Schafskäse und Linsen gefeiert.

Die nächsten zwei Tage wanderten wir relativ entspannt nach Reichenbach auf 700 Höhenmetern, um von dort aus mit der Bahn nach Kandersteg zu fahren. Wir kamen unter anderem an einem sehr schönen Wasserfall und vielen kleinen Dörfern vorbei. Unterwegs trafen wir am ersten Abend einen netten Niederländer an einer Feuerstelle, mit dem wir uns über unsere Reise unterhielten. Allerdings waren wir etwas besorgt, da er nicht gerade begeistert von der Idee von Übernachtungen im Freien unter der Baumgrenze schien, was wir wieder einmal in einem Wald tun mussten. Nachdem wir ihm jedoch glaubhaft versichert hatten, dass wir die ganze Nacht zu einer geeigneten Stelle durchwandern würden, schien er beruhigt und verschwand. So passierte uns in dieser Nacht nichts und wir kamen am fünften Tag am KISC in Kandersteg an.

Nachdem wir dort unser Gepäck abgestellt hatten, sahen wir uns etwas um, aber dort war zurzeit leider wenig los und wir trafen keine anderen Pfadfinder. Da wir noch viel Zeit an diesem Tag hatten, machten wir einen Ausflug zum Oeschinensee auf 1548 Höhenmetern und genossen das kalte Wasser und die Sonne.

So übernachteten wir in unserer letzten Nacht im KISC, wo wir vor unserer Rückreise noch einmal den Luxus von sanitären Anlagen, fließendem Wasser und Strom genossen. Am 14. Juni fuhren wir schließlich mit stolzen 4800 zurückgelegten Höhenmetern in den Beinen mit dem Zug von Kandersteg zurück.